Wir leben in der sozialen Realität unserer Emotionen
Gedanken, Emotionen und Handeln sind eng miteinander verknüpft und als Skripte bewusst und unbewusst in unserem Gehirn und Körper hinterlegt. Manchmal sind es unsere Gedanken, die durch einen Impuls aktiviert werden, sich mit Emotionen einfärben und uns nicht mehr loslassen. Häufig reagieren wir jedoch auf Situationen mit einer starken Emotion und aktivieren durch sie unsere Gedankenkonzepte und unser Handeln. In diesen Fällen haben wir das Gefühl, dass die Emotion unser Denken und unser Verhalten kontrolliert. In Wahrheit sind stets wir Architekt:in unserer Emotionen und können formen, was wir fühlen und wie wir reagieren.
Wir leben, urteilen, fühlen, empfinden über die Erfahrungen, die wir in der Vergangenheit gesammelt haben. In Bezug auf unsere Emotionen hat jede einzelne Begegnung, die uns berührt hat, jeder Film, der uns bewegt hat, jedes Buch, das uns geprägt hat, einen emotionalen, mentalen Fingerabdruck hinterlassen, der unseren heutigen Erlebnissen Bedeutung schenkt. Wir nutzten im Jetzt die Erfahrung aus der Vergangenheit, um mit der Kraft unserer Vorstellung vorherzusagen, welche Bedeutung unsere Erlebnisse für uns haben, und um die Vielzahl der Sinneseindrücke in jedem gedachten Moment mit diesen Vorhersagen abzugleichen. Damit gibt unser Gehirn dem, was wir wahrnehmen, seine Bedeutung und richtet unseren Fokus darauf aus, was uns bedeutungsvoll erscheint. Dieser Prozess der Vorstellung ist der Ausgangszustand für alle unsere emotionalen Erlebnisse.
Was wir fühlen ist eine Simulation unserer Welt und nicht die Reaktion auf diese.
In jedem Moment unseres Lebens nutzt unser Gehirn Konzepte, um die Welt um uns herum zu konstruieren. Ohne diese Skripte sind wir erfahrungsgemäß blind! Mit diesen Skripten simuliert unser Gehirn jedoch vollkommen automatisch, was wir wahrnehmen, sodass unsere Sinne uns eher wie Reflexionen unserer Außenwelt vorkommen und nicht wie eine konstruierte Außenwelt, die auf unseren vorangegangenen Erfahrungen fußt. Auch unsere Emotionen basieren auf solchen Skripten. Sie sind festgehaltene Erfahrungen aus unserer Vergangenheit, welche wir mental abgespeichert haben. Wie das Sehen, das Tasten, das Schmecken und das Riechen nutzt unser Gehirn auch unsere physischen Körperprozesse – den Herzschlag, die Atmung, den Stoffwechsel und vieles mehr – als Sinnesquellen, verbindet ihre Ausprägung mit einem Gefühl und entwickelt daraus ein emotionales Skript. Dadurch erhalten unsere Empfindungen eine qualitative, sowohl mentale als auch körperliche Bedeutung.
„No man ever steps in the same river twice. For it’s not the same river and he’s not the same man.“
(Heraclitus)
Unser Verstand versteht ein fließendes Gewässer als Gegenstand. Genauso ist es mit unserer Emotion und unserem Selbst. Aufgrund unserer abgespeicherten Skripte verstehen wir uns mit unseren Emotionen, unserem Denken, unserem Empfinden eher als gegenständlich („ich bin so wie ich bin“). Tatsächlich befinden sich unser Denken, Fühlen und unser körperliches Empfinden im ständigen Fluss. Erlauben wir uns, unsere darübergelegten, formgebenden Skripte zur Seite zu schieben, eröffnen wir uns die Möglichkeit, unser Denken, Fühlen, Wahrnehmen und Handeln im Gleichklang mit der sich verändernden Außenwelt kontinuierlich neu anzupassen. Was wir dazu benötigen, ist unsere Aufmerksamkeit.
Können wir mit den Fingern schnippen und mit Willenskraft unsere Emotionen abändern, so wie wir unsere Kleidung wechseln? Nicht wirklich! Obwohl wir unsere eigenen emotionalen Erfahrungen konstruieren, überwältigen uns unsere Gefühle in sehr vielen Momenten. Nichtsdestotrotz können wir jetzt Schritte unternehmen, um unsere zukünftigen emotionalen Erfahrungen zu beeinflussen. Wir können heute gestalten, wer wir morgen sind.
Um zu verstehen, wie wir unsere Emotionen aktiv gestalten können, wollen wir verstehen, was Emotionen sind, wie wir sie konstruieren, und wie sie unser Handeln beeinflussen.
Die Gestaltung unserer Emotionen:
Vom Affekt, über das Gefühl, bis hin zur Emotion
Jeder von uns kennt die Situation, dass uns plötzlich die Luft wegbleibt oder das Herz scheinbar kurz aufhört zu schlagen. Dies sind Umschreibungen eines erlebten Affekts, der sich beispielsweise in einer Schocksituation bei uns einstellt. Als Affekt bezeichnet man die rein körperliche Reaktion auf einen Reiz, der ohne Bewusstmachung passiert und unseren überlebenswichtigen, körpereigenen Energiehaushalt reguliert. Steven Porges beschreibt den unbewussten Vorgang auch als „Neurozeption“. Ein unbewusster Vorgang, welcher über unser Autonomes Nervensystem (ANS) eingesteuert wird und ein Urteil über eine vorliegende Bedrohung oder Sicherheit in einer bestimmten Situation fällt. Dabei leitet das ANS Veränderungen unseres physiologischen Zustands ein, um schnelle, regulierende und ursprünglich lebenserhaltende Handlungen ausführen zu können.
Unser Gefühl ist abhängig von einem Affekt, mit dem wir immerfort und unbewusst körperlich auf unsere Umwelt reagieren. Das Gefühl ist die Bewusstmachung, wie wir uns körperlich in einer Situation fühlen (in dem obigen Beispiel könnte dies „erstarrt“ sein). Unser Gefühl ist somit die Zusammenfassung unseres körpereigenen Energiehaushalts und damit fundamentaler Bestandteil unseres Bewusstseins, vergleichbar etwa mit wahrgenommenem Lärm oder Helligkeit. Unser Gefühl gibt uns eine generelle Einschätzung darüber, wie es uns körperlich geht. Dabei unterscheiden wir generell zwei Zustände voneinander, in dessen Spektren wir uns erleben: Die eine Erlebnisdimension erstreckt sich zwischen den beiden Polen „angenehm“ vs. „unangenehm“; die zweite Dimension unterscheidet, ob wir uns in einem „aufgeregten“ oder „ruhigen“ Zustand befinden. Im Zusammenspiel dieser beiden Zustände ergibt sich ein mannigfaltiges Kontingent an Gefühlen, die wir in einer Situation empfinden können wie z.B. interessiert, müde, gelangweilt, nervös und vieles mehr. Siehe hierzu auch die Abbildung „der Affekt-Kreislauf“ in Anlehnung an die Emotionsforscherin Lisa Feldmann Barrett:

Abbildung „der Affekt-Kreislauf“ nach Lisa Feldmann Barrett
Ein intakter Energiehaushalt, der alle lebensnotwendigen Organe in unserem Körper steuert und orchestriert, ist für uns essenziell. Er regelt unsere Energieressourcen über die Veränderung z.B. unseres Hormonspiegels, Stoffwechsels und unserer Herz-Kreislauf-Aktivität und macht uns körperlich handlungsfähig. Gerät unser Energiehaushalt aus dem Gleichgewicht, sagt uns unser Gefühl nicht, wie wir uns konkret verhalten sollen, um es wieder in Balance zu bringen.
Ein intakter Energiehaushalt, der alle lebensnotwendigen Organe in unserem Körper steuert und orchestriert, ist für uns essenziell. Er regelt unsere Energieressourcen über die Veränderung z.B. unseres Hormonspiegels, Stoffwechsels und unserer Herz-Kreislauf-Aktivität und macht uns körperlich handlungsfähig. Gerät unser Energiehaushalt aus dem Gleichgewicht, sagt uns unser Gefühl nicht, wie wir uns konkret verhalten sollen, um es wieder in Balance zu bringen.
Unser Gefühl fragt nach den Gründen für unseren wahrgenommenen körperlichen Zustand.
Um unser Handeln auszurichten, fängt nun unser Gehirn an zu arbeiten und nutzt all unsere bisherigen Erfahrungen, um Vorhersagen darüber zu treffen, wie wir handeln müssten, um unseren Energiehaushalt wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Wir gleichen die Situation, die Personen, Verhaltensweisen, erzielten Ergebnisse etc. mit den Erfahrungen der Vergangenheit ab und kommen zu einer Meinung darüber, welche Regulation am vielversprechendsten ist. Unser Erfahrungsrepertoire ist dabei begrenzt, weshalb wir dazu tendieren, immer wieder ähnliche, gelernte Verhaltensweisen anzuwenden.
Wenn wir unser Fühlen und unser Handeln nicht achtsam hinterfragen, dann richten wir uns in unserer Erfahrungsnische ein.
Haben wir beispielsweise gelernt, in einem Schockzustand die Augen zu verschließen, zu erstarren und abzuwarten, bis dass sich die Gefahrensituation ändert, wird dies das Verhaltensrepertoire sein, welches wir auch in anderen Situationen mit gleichen Körperreaktionen anwenden werden.
Es kommt auch vor, dass wir den Grund für ein Gefühl nicht erfassen können oder das Gefühl abwehren und übergehen. In diesen Momenten wird das Gefühl zu keiner eigenen Erfahrung; physiologische Veränderungen innerhalb des Körpers werden nicht aktiv durch unser Verhalten reguliert. In solchen Fällen kommt es vor, dass wir eher die Gründe für ein gutes oder schlechtes „Bauchgefühl“ in unserem Außen erkennen, anstatt uns zu fragen, ob die gestörte Balance in unserem Energiehaushalt gerade die eigene Weltsicht verzerrt. So kann etwa ein störendes Hungergefühl dazu führen, dass wir unser Gegenüber als „anstrengend“ empfinden, obwohl dieses Gefühl sich gar nicht auf diese Person bezieht, sondern schlicht auf unseren leeren Magen.
Wenn Glauben unser Fühlen beeinflusst
Wir fühlen, was unser Gehirn glaubt. Unsere Gefühle entstehen vorwiegend aus der Vorhersage im Gehirn. Alles was wir fühlen, basiert auf unserem Wissen aus vorangegangenen Erfahrungen. Glauben ist Fühlen! Dabei kann unser Wahrnehmungsnetzwerk für körperliche Veränderungen (Herzfrequenz, Atmung, Schwitzen etc.) sogar Gefühle verstärken, indem es unseren Fokus auf das angenehme oder unangenehme verfälscht. Nicht nur was wir sehen oder hören, beeinflusst häufig, was wir fühlen; auch was wir fühlen, kann unsere Sicht und unser Gehör beeinflussen. Unsere Verarbeitung von Affekten und Gefühlen im Gehirn beeinflusst stärker als unsere Wahrnehmung der realen Welt um uns herum, wie wir uns verhalten.
Das Gefühl übernimmt häufig das Steuer. Die Ratio erhält dann den Platz auf dem Beifahrersitz.
Was ist dann unser Gestaltungsspielraum, um unser Fühlen und damit unser Handeln zu beeinflussen? Wir müssen dafür den Umweg über zukünftige, positive Erfahrungen nehmen. Denn unsere Erfahrungen gestalten, was wir zukünftig fühlen und wie wir handeln. Die Emotion spielt dabei eine wesentliche Gestaltungskomponente, der wir uns nun widmen wollen.
Über die Emotion erfahren wir Bedeutung
Stellt der Affekt die Aktivierung eines physiologischen Zustands dar, und das Gefühl, die Bewusstwerdung der körperlichen Veränderung, dann stellt die Emotion unsere Brücke zu unserer Außenwelt dar. Über die Emotion erhält unser Gefühl eine Relevanz. Die Emotion geht über die sensorische Information hinaus und ist eine mentale Verknüpfung aus unseren Gedanken, unseren körperlichen Reaktionen, unseren physiologischen Zuständen, unserem Handeln in einer spezifischen Situation, mit bestimmten Personen.
Die Emotion schenkt unserem gefühlten Zustand eine übergeordnete Bedeutung.
Wir alle kennen diese Situation: Wir fühlen uns nervös in Erwartung eines angekündigten Geschenks von einem guten Freund. Aus Erlebnissen in der Vergangenheit wissen wir, dass Geschenke von dieser Person besonders einfallsreich sind und uns heiter stimmen. Uns ist bewusst, dass wir in diesem Moment Vorfreude empfinden und zelebrieren diese in unserer Interaktion miteinander, leben sie in fantastischen Gedanken aus und teilen unsere Empfindungen durch Mimik und Gestik mit unserem Geschenkemacher. Dies ist möglich, da wir uns kulturell auf ein emotionales Skript wie „Vorfreude“ verständigt haben und durch dieses auch den emotionalen Zustand bei anderen Personen wiedererkennen und nachempfinden können. Das Skript ermöglicht uns den schnellen Zugang zur Interaktion mit anderen Menschen. Über die Emotion können wir auch ohne Gebrauch von Sprache aufeinander reagieren und unsere körperlichen Zustände für- und miteinander regulieren.
Ohne ein gut ausgebildetes Emotions-Skript, können wir im Umkehrschluss nur eingeschränkt Emotionen empfinden, da wir ohne Konzepte ihre Bedeutung für uns nicht abrufen können. Wenn uns kein Emotions-Skript zur Verfügung steht, durchleben wir eher nur die körperlichen Reaktionen (wie z.B. Herzrasen). Ebenso sind wir nicht in der Lage, diese Emotionen bei anderen wahrzunehmen. Wir sind emotional blind.
Unsere emotionalen Skripte sind von der Kultur abhängig, in der wir aufgewachsen sind, und maßgeblich durch das familiäre und soziale Umfeld geprägt worden, in dem wir unsere Erfahrungen gesammelt haben. Kulturell einigen wir uns darauf, wie Vorfreude „aussieht“; sozial wird es uns durch Eltern, Partner, Freunde etc. veranschaulicht und als Freude benannt. Individuell erleben wir die Emotion physisch, durch den körperlichen Effekt, der im emotionalen Zustand der Vorfreude aufkommt (angenehmer Erregungszustand mit Ausschüttung von Serotonin und Dopamin, die uns in einen körperlichen Aktivierungsstatus versetzen). Dabei befinden wir uns im kontinuierlichen Austausch von emotionalen Konzepten mit anderen Personen und stabilisieren diese in ihrer gesellschaftlichen, sozialen und individuellen Bedeutung. Mit anderen Worten:
Es braucht mehr als nur ein Gehirn, um uns selbst eine Bedeutung zu geben.
Zusammenfassend bedeutet dies:
- Unsere Erfahrungen und körperlichen Zustände erhalten über unsere emotionalen Skripte ihre Bedeutung.
- Unsere emotionalen Skripte können Denken und Handlungen anordnen. Wir sagen auf Basis unserer vorangegangenen Erfahrungen, mit welcher Handlung wir ein spezifisches Ziel in einer Situation am vielversprechendsten erreichen werden.
- Unsere Vorhersagegenauigkeit wird durch unser Erfahrungsrepertoire begrenzt und durch Nischen, in denen wir uns eingerichtet haben.
- Mit jeder Verhaltensvorhersage aktivieren wir auch abgespeicherte Informationen zu physischen Reaktionen, die unseren Energiehaushalt bestimmen (z.B. Herzfrequenz, Immunsystem, Stoffwechsel etc.).
- Im Verhalten machen wir Lernerfahrungen und korrigieren oder verfeinern unsere Skripte in dessen Verlauf. Es ist uns aber auch möglich, einen emotionalen Zustand herbeizuführen. Dann passen wir unsere Sinnesorgane und unsere Motorik entsprechend an, um uns eine gewünschte Realität zu erschaffen.
- Jeder emotionale Zustand, den wir erfahren, dient der Regulation unseres Energiehaushalts. Er stellt sicher, dass die körperlichen Ressourcen genutzt werden bzw. nicht verbraucht werden.
- Über Emotionen synchronisieren wir uns mit anderen. So erhalten wir ein besseres Verständnis von der Welt um uns herum und von den Absichten unserer Mitmenschen.
- Über Emotionen nehmen wir sozialen Einfluss auf andere. Indem wir unsere Emotionen leben, beeinflussen wir andere Menschen in ihrem Empfinden, Handeln und damit wiederum in ihren Erfahrungen.
Je granularer die eigenen emotionalen Skripte sind, desto effizienter arbeitet unser Gehirn, um einen passenden emotionalen Zustand im Abgleich mit unserer Umwelt herzustellen. So agiert das Gehirn effektiver, wenn wir viele emotionale Skripte zu einer Kategorie entwickelt haben. Wir sind zielgenauer, wenn wir z.B. „glücklich“ als eine Abstufung von „angenehmes Gefühl“ unterscheiden können. Und wir sind höchst effizient, wenn wir noch feinere emotionale Konzepte aufbauen und für uns mental hinterlegen wie beispielsweise „selig“, „erfreut“, „dankbar“, „friedvoll“, „zufrieden“, „optimistisch“ usw. Kulturell findet sich die gemeinsame Verständigung darüber, was eine wichtige Emotion ist, in der Sprache wieder. Beispielsweise gibt es In der koreanischen Sprache das Wort „leong“, das einen spezifischen Zustand von glücklich beschreibt, der über die starke Verbundenheit zu einem Freund empfunden wird. In der deutschen Sprache gibt es andererseits das Wort „Schadenfreude“, das in anderen Kulturen offenkundig ursprünglich nicht als emotionales Konzept existierte (oder nicht in ein „eigenes“ Wort überführt wurde) und daher etwa im Englischen oder Französischen heute als Lehnwort in seiner deutschen Schreibweise gebraucht wird.
Über Emotionen schaffen wir uns eine soziale Realität.
Emotionale Konzepte sind damit auch ein Spiegel unserer sozialen Realität, in der wir uns bewegen bzw. aufgewachsen sind: Wir verständigen uns auf ein geteiltes Konzept, vermitteln die Konzepte einander und verdrahten unsere Gehirne in dieser sozialen Welt. Werden Emotionen unterschiedlich wahrgenommen, dann gibt es keine „wirkliche Realität“ oder kein wahr oder falsch. Es gibt im besten Fall einen Konsens.
Das Kontrollnetzwerk unseres Gehirns hilft uns dabei das emotionale Konzept auszuwählen, welches uns am erfolgversprechendsten erscheint. Damit hilft es uns, unseren emotionalen Zustand zu konstruieren. Als eine Art Optimierer trifft es eine Auswahl zwischen Emotions-Skripten und Nicht-Emotions-Skripten (z.B. empfinde ich Angst oder Magenprobleme?), zwischen verschiedenen Emotions-Skripten (z.B. habe ich Angst oder bin ich aufgeregt?) und zwischen verschiedenen Zielen von Skripten (z.B. muss ich aus der Situation flüchten oder in ihr kämpfen?).
Um dies nochmals zu unterstreichen:
- Emotionen geben uns Bedeutung, da sie uns unsere körperlichen Veränderungen und die dazugehörigen körperlichen Gefühle in einer Situation und im Abgleich mit unserer Welt erklären.
- Sie sind Anleitungen für Handlungen, basierend auf unseren vorangegangenen Erfahrungen.
- Sie werden durch unser Kontrollnetzwerk optimiert und bewertet.
- Ohne emotionale Skripte können wir Emotionen nicht abrufen und nicht bei anderen wahrnehmen.
- Je granularer unsere Emotions-Skripte sind, desto effektiver und zielgenauer kann unser Gehirn den passenden emotionalen Zustand und unser Verhalten für das Jetzt abrufen.
Wie können wir unsere Emotionen gestalten?
Körperliche und mentale Prozesse gehen miteinander Hand in Hand. Jedes Mal, wenn wir einen physischen Akt durchlaufen, hat dies eine mentale Veränderung unserer emotionalen wie auch nicht-emotionalen Skripte zur Folge. Jede mentale Aktivität hat wiederum einen physischen Effekt. Diese Verbindung können wir für uns nutzen, um unsere Emotionen zu verfeinern, um Resilienz aufzubauen und um unsere psychische und physische Gesundheit zu stärken. Emotionale Intelligenz bedeutet, unser Gehirn zu befähigen, den zuträglichsten emotionalen Zustand aus einem der abgespeicherten Emotions-Skripte zur Verfügung zu stellen. Damit versetzen wir unser Gehirn in die Lage, sich im Verhalten gegen das abgerufene Skript und für ein anderes zu entscheiden. In der Konsequenz werden wir reicher in unseren Handlungsmöglichkeiten, fühlen uns mehr in Balance mit unserem Leben und authentischer in unserem Ausdruck.
„Die emotionale Kompetenz ist doppelt so wichtig wie die rein kognitiven Fähigkeiten.“
(Daniel Goleman, Emotionale Intelligenz)
Dies ist keine einfache Aufgabe, doch jeder Schritt zu mehr emotionaler Ausgeglichenheit und Intelligenz hat eine ausschlaggebende und reiche Wirkung in unserem weiteren Leben. Kontrollieren wir bewusst unsere Erfahrungen und reflektieren sie unaufhörlich in Bezug auf unsere übermittelten und gelernten Skripte und unsere Realität, können wir unser Selbst aktiv gestalten! Zudem erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit, keine schwerwiegenden chronischen Erkrankungen zu entwickeln, da wir balancierend Einfluss auf unseren Energiehaushalt nehmen.
Live Your Createfulness!
Lerne im Createfulness-Prozess oder auch anhand konkreter Einzelfragestellungen, zu mehr emotionaler Ausgeglichenheit und Resilienz zu gelangen.
- Wir schauen uns bewusst Deine Emotion und das daran gekoppelte Gedanken-Skript sowie die üblicherweise gezeigten Verhaltensmuster an, um diese Reaktionskette neu auszurichten.
- Wir bauen Deine emotionale Granularität aus, so dass Du den für Dich zuträglichsten emotionalen Zustand besser abrufen kannst und Deine Handlungsmöglichkeiten anreicherst.
- Wir trainieren, „physischen Schmerz“ von „generalisierten Leiden“ zu unterscheiden, um wieder aktiv das eigene Leben zu gestalten.
- Wir finden spielerische Lösungen, die Dir mehr Kontrolle über Deine Emotionen, in akuten emotionalen Situationen verschaffen.
- Wir entwickeln Umsetzungspläne, die Dich in positive Erfahrungen bringen und Dein neues Fühlen vertiefen
- Wir wertschätzen die kleinen und großen Veränderungen in Deinem Fühlen, Denken und Handeln
Ich freue mich darauf, Dich in einem kostenfreien Explorationsgespräch kennenzulernen. Schreibe mir hierzu einfach eine E-Mail oder nutze das Kontaktformular auf meiner Website!

Literaturnachweis
Damasio, A. R. (1994). Descartes’ Error: Emotion, reason, and the human
brain. Penguin Books.
Damasio, A. R. (2017). Am Anfang war das Gefühl: Der biologische Ursprung menschlicher Kultur, Siedler Verlag.
Dana, D. (3. Auflage, 2021). Die Polyvagal-Theorie in der Therapie. Den Rhythmus der Regulation nutzen. G.P. Probst Verlag.
Feldman Barrett, L. (2017). How emotions are made: The secret life of the
brain. Houghton Mifflin Harcourt.
Goleman, D. (1997), EQ. Emotionale Intelligenz, dtv Verlagsgesellschaft mbH
Porges, S. (4. Auflage, 2021), Die Polyvagal-Theorie und die Suche nach Sicherheit, G.P. Probst Verlag GmbH.
Selvam, R. (2022), The Practice of Embodying Emotions: A Guide for Improving Cognitive, Emotional, and Behavioral Outcomes, North Atlantic Books.
Van der Kolk, B. (7. Auflage, 2021), Verkörperter Schrecken: Traumaspuren im Gehirn, Geist und Körper und wie man sie heilen kann, G.P. Probst Verlag.